MAZ berichtet über Kirchengrundstück Wittstock

Von , 23. April 2011

KIRCHE: Das Grundstück umgekrempelt

Wittstocker Katholiken lassen Pfarrhaus und Garten für die große Jubiläumsfeier herausputzen

WITTSTOCK – Hinter hohen Hecken direkt an einer der am meisten befahrenen Straßen der Stadt Wittstock verbirgt sich ein Kleinod. Nun gut, zurzeit ist diese Bezeichnung vielleicht ein wenig übertrieben, aber in ein paar Wochen werden die Garten- und Landschaftsbauer wieder verschwunden sein und der Garten der katholischen Pfarrei in Wittstock an der Ringstraße erstrahlt in neuer Pracht.

Schon seit der ehemalige Pfarrer Josef Scholz im vorigen Jahr in den wohlverdienten Ruhestand ging und aus Wittstock wegzog, geben sich die Arbeiter auf dem Gelände die Klinke in die Hand. Über den Winter wurde das hundert Jahre alte Pfarrhaus saniert. Zwischen September 2010 und Februar verschwand so nach und nach alles, was vor und während der DDR-Zeit eingebaut wurde: sämtliche Leitungen wurden erneuert, Raumzuschnitte geändert.

Nun verfügt die katholische Gemeinde im Untergeschoss des Pfarrhauses über einen attraktiven Gemeindesaal mit angrenzender offener Küche auf der einen Seite des Flures und mit Toiletten und einem kleinen Büro für den Pfarrer auf der anderen. Sogar eine Dusche ist vorhanden. „Falls wir mal von einer Jugendgruppe Besuch bekommen, die im Garten zelten will“, erklärt Pfarrer Mathias Faustmann.

Das Obergeschoss ist ebenfalls saniert worden. Hier befindet sich eine 96 Quadratmeter große Wohnung, die in Kürze vermietet werden soll. „Die Menschen, die sich dafür beworben haben, waren hellauf begeistert“, sagt der Pfarrer. Sie bewohnen das Haus ganz allein, sie haben einen eigenen Eingang, sie bekommen einen eigenen Garten und können den kompletten Keller und die Garage nutzen. „Nur zweimal am Tag läuten die Glocken. Das müssen die Mieter ertragen“, sagt er und schmunzelt.

In den zurückliegenden Monaten hat sich der junge Geistliche um Dinge kümmern müssen, auf die er nicht vorbereitet war. „Ich hatte doch keine Ahnung von alledem“, berichtet er und ist heilfroh, dass einzelne Mitglieder seiner Gemeinde vom Fach waren. Dann erzählt er, wie er Begriffe lernte, die bei den Leuten vom Bau zum täglichen Sprachgebrauch gehören. „Wir standen unterm Dach und es ging um Statik und um Balken. Und da sagte jemand, dass man an der und der Stelle aufpassen müsse, sonst komme die Pfette runter.“ Mathias Faustmann dachte, die Bauleute sprächen abfällig über eine korpulente Dame aus einer Behörde, die kraft ihres Amtes bestimmend ins Baugeschehen eingreifen könne. Doch inzwischen weiß er, dass eine „Pfette“ ein waagerecht liegender Träger in einer Dachkonstruktion ist. „Das war schon eine spannende Zeit. An manchen Tagen hatte ich mehr mit Handwerkern zu tun als mit der Gemeinde. Für das erste Jahr war das die volle Dröhnung“.

Nachdem das Pfarrhaus fertig war, kam der Garten an die Reihe. Vor wenigen Wochen ist die Baracke im Garten weggerissen worden. Da hatte sich über Jahrzehnte das Gemeindeleben abgespielt. Dieses hölzerne Gebäude war schon etwas Besonderes, aber letztlich ging auch dieses den Weg allen Irdischens.

Man sah der Baracke das Alter nicht an: 85 Jahre. Man schrieb das Jahr 1926, als die Baracke in Zaatzke als sogenannte Schnitterkaserne aufgestellt wurde – als Unterkunft für Wanderarbeiter, die von Gehöft zu Gehöft zogen, um den Bauern bei der Ernte zu helfen. Nach dem Krieg waren darin Flüchtlinge untergebracht. 1955, als die Zeiten besser wurden, wurde sie in Zaatzke nicht mehr gebraucht. Die katholische Gemeinde erwarb das Gebäude und baute es im Pfarrgarten wieder auf. Darin wurde Advent gefeiert, man traf sich zu Weihnachtsfeiern, zum Fasching und es wurde für Familienfeiern genutzt. Aber es war nur ein Holzgebäude. „Der Bauingenieur hat gesagt, es sei jenseits aller Vernunft, auch nur einen Euro in die Baracke zu investieren“, gibt der Pfarrer die Einschätzung des Experten wieder. Die Balken über dem Fundament waren alle angefault. Die Baracke hätte also sowieso gesperrt werden müssen. Mit dem neugestalteten Pfarrhaus verfügt die Gemeinde nun über ordentlich beheizbare und gut ausgestattete Räumlichkeiten. Also entschied man sich für den Abriss der Baracke.

Die entstandene Freifläche bietet nun Platz für eine Gartengestaltung, die den heutigen Bedürfnissen gerecht wird. Ein Hausmeister, der 20 Wochenstunden für die beiden katholischen Kirchen in Pritzwalk und Wittstock zuständig ist, kann die Arbeit allein bewältigen. „Früher gab’s immer noch ein paar Arbeitseinsätze, an denen sich viele beteiligt haben“, so Pfarrer Faustmann. Aber angesichts der Altersstruktur der Gemeinde sei so etwas mittlerweile schwierig zu organisieren. Darauf müsse man Rücksicht nehmen.

Vor der Kirche entsteht jetzt ein gepflasterter Platz. Er soll ein bisschen Kleinstadtflair verbreiten – mit Sitzbänken und einem weiteren Baum, einer japanischen Kirsche, die dort gepflanzt wird. Dafür verschwand das Tor. Offen und einladend soll’s vor der Kirche sein. „Das ist so ein wunderbares Parkgrundstück“, schwärmt der Pfarrer und zählt die Pluspunkte auf: die Nähe zur Innenstadt und zum Bahnhof, die direkte Lage an der Glinze, die wunderbaren alten Laubbäume.

Wenn man einmal quer übers Grundstück geht, findet sich direkt am Ufer der Glinze eine kleine Mariengrotte, zu der künftig zwei Wege führen sollen. Bislang war sie in manchen Jahreszeiten trockenen Fußes nicht zu erreichen. Das wird sich nun ändern. „Das ist ein Rückzugsort, der gern besucht wird“, sagt Pfarrer Faustmann. Er ist sich sicher, dass sie ein Anziehungspunkt auf dem Grundstück wird.

Am 2. Juli wird der neu gestaltete Garten eingeweiht. Dann begeht die katholische Kirchengemeinde nämlich noch ein anderes großes Fest, das mit einem Festgottesdienst begangen wird und für das sich all der Aufwand allemal lohnt. Denn auf den Tag genau vor 100 Jahren wurde die katholische Kirche in Wittstock eingeweiht. Schon jetzt lädt Matthias Faustmann die Wittstocker ein, an diesem Tag mit den Katholiken der Stadt dieses Fest zu begehen. (Von Uta Köhn)

Eine Antwort für “MAZ berichtet über Kirchengrundstück Wittstock”

  1. Eduard Adeev sagt:

    Здравсивуйте. В 1991 нас, двух солдат из советского гарнизона Виттшток, пигласил официально в гости фатер Йозеф Шольц на праздник рождества Христова. Мы посетили службу в церкви, и выступили с речью. Фатер подарил мне библию, она и сейчас при мне. Этот человек мне очень дорог, дай Бог ему здоровья и долголетия. Если он помнит эти события, может ответит мне? С глубоким уважением Эдуард Адеев.

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