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Katholische Kirche zwischen Prignitz und Havelland

Wappen des Bistums Havelberg

Wappen des Bistums Havelberg

Hoch über der Havel erhebt sich der Dom zu Havelberg mit seinem mächtigen Westwerk. Er wurde 1170 konsekriert und war in seiner heutigen Gestalt um 1330 fertig gestellt. Das dazu gehörige Bistum wurde allerdings schon 948 von Otto I., dem späteren deutschen Kaiser, gegründet, einige Chronisten nennen auch das Jahr 939. Fest steht jedenfalls, dass von hier aus den Stämmen der Heveller und Sprewanen zwischen Elbe und Oder der christliche Glaube vermittelt werden sollte.

Otto I. begegnet Papst Johannes XII.

Otto I. begegnet Papst Johannes XII.

Die ersten Missionserfolge wurden allerdings durch den großen Slawenaufstand von 983 zunichte gemacht, bei dem die Kirchen niedergebrannt und die christlichen Missionare vertrieben wurden. Die Bischöfe residierten nun anderthalb Jahrhunderte im Exil, meistens in Magdeburg, das damals das zuständige Erzbistum war. Doch nahmen einige der slawischen Fürsten wieder den christlichen Glauben an, unter ihnen Gottschalk, der die Missionare sogar selbst als Dolmetscher begleitete, aber am 7.6.1066 in Lenzen von heidnischen Landsleuten erschlagen wurde.

Erst Bischof Anselm von Havelberg (1129-55), Schüler des hl. Norbert von Xanten, Theologe und Staatsmann, Vermittler zwischen Kaiser und Papst und in seinen letzten Lebensjahren noch Erzbischof von Ravenna, konnte es wagen, sich wieder dauerhaft in der Bischofsstadt aufzuhalten und 1150 mit dem Neubau des Domes zu beginnen. Er hatte 1144 das Prämonstratenserkloster in Jerichow gegründet und versucht, im so genannten Wendenkreuzzug 1147 den religiösen Zielsetzungen gegenüber den militärischen Geltung zu verschaffen. Er starb 1158.

Unter den folgenden Bischöfen gab es fromme und ehrbare Männer. Seit 1270 residierten die Havelberger Bischöfe in Wittstock. Zu den heiligmäßigen Männern in der Region zählt der Dominikaner Wichmann von Neuruppin (+ 1270), der als Theologe und Mystiker wirkte.

Prior Wichmann von Arnstein in der Klosterkirche St. Trinitatis in Neuruppin

Prior Wichmann von Arnstein in der Klosterkirche St. Trinitatis in Neuruppin

Ein in ganz Europa berühmter Wallfahrtsort war Wilsnack, wo nach einem Brand am 16. August 1383 drei unversehrte jedoch blutenden Hostien 1384 aufgefunden wurden. Nachdem mit dem Bau der so genannten Wunderblutkirche begonnen wurde, war bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts Wilsnack das berühmteste Wallfahrtsziel in Nordeuropa.Mehr als 170 Jahre lang wanderten hunderttausende Pilger auf mehreren Wallfahrtswegen nach Wilsnack, um das Heilige Blut zu besuchen. Die Pilgerbewegung fand im Jahre 1552 ein jähes Ende, als der erste evangelische Pfarrer von Wilsnack die Überreste der Wunderbluthostien verbrannte.

Bekannt war auch das Kloster Heiligengrabe, das 1287 am Ort eines vermeintlichen Hostienfrevels entstand. Die hier lebenden Zisterzienserinnen widersetzten sich unter ihrer Äbtissin Anna von Quitzow bis 1564 energisch der Reformation und ihrer Enteignung durch den Kurfürsten.

Busso von Alvensleben, der letzte Bischof von Havelberg
Busso von Alvensleben, der letzte Bischof von Havelberg

Der letzte katholische Bischof von Havelberg, Busso II. von Alvensleben (1522-48), musste vor Kurfürst Joachim II., der 1540 die neue Kirchenordnung erlassen hatte, nach Wittstock weichen. Bis zum Tod des letzten katholischen Domkapitulars 1561 wurde hier noch die Hl. Messe gefeiert. 1598 wurde das Bistum Havelberg offiziell aufgelöst.

Die seelsorgliche Verantwortung für die Mark Brandenburg wurde 1709 vom Papst dem in Hildesheim ansässigen Apostolischen Vikar für Ober- und Niedersachsen zugewiesen. Doch erst mit Gründung des Delegaturbezirks Brandenburg und Pommern im Jahre 1821, der in Personalunion dem Fürstbischof von Breslau unterstellt und von einem Delegaten verwaltet wurde, wurde katholisches Leben wieder wahrnehmbar.

In der Prignitz und im Havelland waren es vor allem Katholiken aus Westfalen, die sich um die Gründung von Gemeinden verdient machten, so in Fehrbellin, Meyenburg, Nauen, Perleberg, Pritzwalk und Wittenberge. Die Vereins- und Versammlungsfreiheit im Zuge der Revolution von 1848 brachte neue Möglichkeiten.

Wappen des Erzbistums Berlin
Wappen des Erzbistums Berlin

1852 wurde Eduard Müller als Missionsvikar für Nauen und Fürstenwalde angestellt. Von Berlin aus bereiste er die Mark Brandenburg, sammelte die zerstreuten Katholiken, die nichts voneinander wussten, und veranlasste den Bau von Missionshäusern und Kapellen. Die Zahl der Katholiken nahm langsam zu. Im Jahr der Reichsgründung 1871 wurden im Archipresbyterat Wittenberge 1100 Katholiken gezählt, 50 Jahre später waren es 8000. Die Archipresbyterats- bzw. Dekanats-Einteilung in der Region wechselte mehrfach: Bereits seit 1862 besteht das Dekanat Wittenberge, zunächst mit den Gemeinden Fehrbellin, Neu-Ruppin, Perleberg, Wittenberge und Wittstock. Nach dem Bau der Berliner Mauer war eine Neuordnung notwendig. Die Zahl der Katholiken in der Region, die 1939 noch bei 26.000 gelegen hatte, war durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene 1953 auf über 60.000 angestiegen, aber schon 1962 wieder auf 42.000 zurückgegangen.

Im Jahre 1938 gab es in Hennigsdorf, Nauen, Neuruppin, Perleberg, Rathenow, Wittenberge und Zehdenick katholische Schulen, die jedoch bald darauf von den NS-Behörden geschlossen wurden. Lediglich die von den Ursulinen geleitete Heimschule in Neustadt/Dosse war nicht betroffen, dem pädagogischen Wirken der Schwestern setzte dann aber die sowjetische Besatzungsmacht ein Ende.

Ordensgemeinschaften gab und gibt es nur wenige in der Region. Die älteste Niederlassung gründeten 1899 Arenberger Dominikanerinnen in Oranienburg, 1919 kamen Breslauer Marienschwestern nach Wittenberge, 1921 zogen Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen Jesu nach Birkenwerder. Ihre Einrichtung wird mittlerweile von Karmeliten als Exerzitienhaus genutzt. In Dallgow-Döberitz eröffneten 1925 Johannesmissionare ein Heim für entlassene Strafgefangene und Obdachlose, aus dem die dortige Kirchengemeinde hervorging. Bis heute besteht ein 1923 von Ursulinen weiter geführter Ordenskonvent in Neustadt/Dosse, zu dem jetzt ein Behindertenheim gehört.

Der Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961 hatte die Verbindungen zwischen Stadt und Umland zerschnitten. Nach ihrem Fall wird inzwischen der so genannte “Speckgürtel” vielerorts als Wohngebiet neu erschlossen. Hier ergeben sich viele Chancen für ein gutes Miteinander alter und neuer Gemeindeglieder. Je weiter entfernt von der Großstadt die Gemeinden liegen, umso wichtiger wird der Kontakt der wenigen Katholiken zueinander werden. Ein Gewölbe im ehemaligen Kloster des Havelberger Doms wird heute auch wieder von der katholischen Kirche genutzt. Es ist nicht weithin sichtbar, aber es gibt denen, die dort zusammen kommen, Geborgenheit und Heimat.